Flüchtlinge ziehen in die Wohnunterkunft Bünt ein.

Seit Mitte des Jahres wird die Wohnunterkunft Bünt am Binnenfeldredder, kurz vor der Landesgrenzen zu Schleswig-Holstein, von Flüchtlingen bezogen. Aktuell wohnen dort rund 190 Geflüchtete. Bis Ende des Jahres sollen es dann rund 260 sein.

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner stammen aus Afghanistan, dem Irak und Syrien. Etwa ein Drittel von ihnen ist unter 18 Jahre alt. Die Kinder und Jugendlichen sollen nach Möglichkeit Schulen und Kitas im Bezirk Bergedorf besuchen.

Ich fahre sehr häufig an der neuen Wohnanlage Bünt vorbei oder gehe auch mal auf das Gerlände, um mich vor Ort über die Situation der Menschen und der Einrichtung zu informieren.

Mein Eindruck ist, dass die Flüchtlinge in ihren im Durchschnitt rund 12 Quadratmeter großen Zimmern, die sie sich meist zu zweit teilen, wegen der beengten Wohnverhältnisse zwar nicht vor Glück überschäumen, aber froh sind, ein sicheres Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Denn sie haben die zum Teil lebensgefährliche Flucht vor Krieg und Verfolgung lebend überstanden und bei uns bis auf Weiteres ein kleines Zuhause gefunden. Beim Tag der offenen Tür im August konnte ich mir davon ein gutes Bild machen.

Doch diese Unterkunft am Bünt zu realisieren, war kein Selbstgänger. Hamburg und die Bezirksämter mussten ab 2015 in kurzer Zeit viele Unterkünfte schaffen, um die Geflüchteten unterzubringen. Dafür mussten geeignete Standorte gefunden werden. Und so kam es, wie gehabt: Alle wollten zwar grundsätzlich helfen, aber bitte nicht vor der eigenen Tür!

So war es auch am Bünt, wo sich vermeintlich oder tatsächlich betroffene Nachbarn die tollsten Begründungen ausdachten, warum die Unterkunft dort nicht entstehen könne. Vom Wertverlust der Grundstücke bis hin zu angeblich steigender Kriminalität war so ziemlich jedes Argument dabei. Und wie es so oft im Bezirk Bergedorf der Fall ist, hat sich die örtliche CDU mit den „Verhinderungsnachbarn“ solidarisiert, obwohl es doch vor allem ihre Kanzlerin Angela Merkel war, die die Flüchtlinge bereitwillig ins Land gelassen hatte!

So hatten es das Bezirksamt und insbesondere der Bezirksamtsleiter nicht leicht, Flächen für die Unterbringung von Flüchtlingen zu finden und durchzusetzen. Es war einfach nicht schön anzusehen, wie sich unser Bezirksbürgermeister von den Gegnern der Wohnanlage bei den öffentlichen Anhörungen unsachlich beschimpfen und bepöbeln lassen musste.

Inzwischen aber haben sich fast überall an den Standorten die ursprünglichen Befürchtungen der Unterkunftsgegner als unbegründet erwiesen. Und auch am Bünt läuft zur Zeit alles problemlos mit und für die Geflüchteten. Das ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge hat auch begonnen.

Es ist daher zu hoffen und zu wünschen, dass unsere neuen Nachbarn in Lohbrügge nun zur Ruhe kommen und sich womöglich ein neues Leben in Deutschland aufbauen können. Viele werden gewiss auch wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren, wenn dort wieder Frieden herrscht und der Wiederaufbau erfolgen soll.

Jürgen Schramm

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